
Gelungener Saisonstart – Vernissage zur inklusiven Ausstellung „Hinschauen“
Am vergangenen Donnerstag, den 26. März 2026, luden Nils Drescher, Bürgermeister von Plankstadt, und die Lebenshilfe Speyer-Schifferstadt zur Vernissage der Ausstellung „Hinschauen“ ins Rathaus ein. Gegen 19 Uhr hatte sich der Trau- und Veranstaltungssaal mit Gästen von beiden Seiten des Rheins gut gefüllt, wie Drescher bei seiner Begrüßung zufrieden bemerkte.
Anlass für die Ausstellung war der bevorstehende Geburtstag von Peter Schäfer, der besser als Mannheimer Original unter dem Namen „Blumenpeter“ in die Regionalgeschichte der Kurpfalz einging. Der kleinwüchsige Mann stammte ursprünglich aus Plankstadt und galt zu Beginn des 20. Jahrhunderts als belächelte Witzfigur. Er starb in einer psychiatrischen Heilanstalt der Nationalsozialisten. Ein vergleichender Blick auf sein Schicksal und auf das Leben der heutigen Molemol-Künstler*innen sollte offenbaren, wie sich der Umgang mit Menschen mit Behinderung innerhalb eines Jahrhunderts gewandelt hat. Viel sei bereits erreicht, betonte Nils Drescher, doch in ihrer Einführung machte die Leiterin des Ateliers Molemol Karin Bury deutlich, wo es noch Nachbesserungspotenzial gebe. Sie warb eindringlich um eine Begegnung auf Augenhöhe zwischen Menschen mit und ohne Behinderung und sprach sich für mehr gleichberechtigte Teilhabe und Akzeptanz im Kulturbetrieb aus.
Ganz bewusst suchten die Künstler*innen der Lebenshilfe nach Ausstellungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum, um mit ihrer kreativen Arbeit dort sichtbar zu werden und mit Gleichgesinnten in einen fruchtbaren Dialog zu kommen. Das funktioniere nur außerhalb der eigenen Blase – außerhalb der Wohneinrichtungen und Arbeitsstätten für Menschen mit Beeinträchtigung, betonte Bury, die seit über 16 Jahren die Kunstgruppen der Lebenshilfe begleitet. Persönlicher Austausch baut Berührungsängste ab und verhilft zu mehr gegenseitigem Verständnis. Und genau das geschah bei der Vernissage.
Als „Eisbrecher“ fungierte zu Beginn des Abends die inklusive Band „21 Plus und Freunde“ unter der Leitung von Norbert Hauck aus Speyer. Schon zum dritten Mal begleiteten die Herzblutmusiker*innen mit ihrer Frontsängerin Antonia Türck im Rollstuhl eine Vernissage der „Molemols“. „Wir rocken das Rathaus“, kündigte Bandmitglied Sascha Giebfried selbstbewusst beim Einmarsch in den Saal an und behielt Recht. Norbert Hauck an der Gitarre, Sohn Tomas am Schlagzeug, Jaron Posehn mit Schellenkranz und Sascha Giebfried an der Cajon gewannen schon beim ersten Stück die Sympathie der Vernissagegäste. Tomas Hauck fasste knapp den Ablauf zusammen: „Erst kommen wir, dann Gebabbel, dann wieder wir und dann nochmal Gebabbel und dann erst die Bilder“.
Insgesamt 34 Exponate von neun Künstler*innen fanden an den Wänden des Plankstadter Rathauses Platz. Jeder Ausstellende ist mit mehreren Einzelwerken und je einem persönlichen Porträtrahmen mit Foto und eigenem Statement zur Person zu sehen. Verschiedene großformatige Gemeinschaftswerke geben Aufschluss darüber, dass sich einige der Künstler*innen gerne und gekonnt zusammen mit der Ausarbeitung eines Motivs befassen. Die Sujets reichen von farbstarke Abstraktionen in Gouache-, Acryl- oder Aquarellfarben, über Mixed-Media-Arbeiten, in denen z.B. Schnürsenkel und alte Buchseiten verarbeitet wurden, bis hin zu detailreich ausgestalteten Darstellungen regionaler Sehenswürdigkeiten, römischer Artefakte und Wunder-Weinstöcken, an denen zugleich zwei Rebsorten gedeihen. Die Ausstellung vermittelt Einblicke in das facettenreiche Schaffen einer fröhlichen Ateliergemeinschaft, deren Interessen breit gefächert sind und deren Kreativität offenbar keine Grenzen kennt. Diese „Molemols“ sind mit ihren Werken in der Schau vertreten: Christa Bellmann, Martin Fehr, Tobias Fehr, Roland Hagen, Simone Meinzer, Angelika Schmitt, Jürgen Stahl, Kerstin Stetter und Eva Wünstel.
Alle Kunstschaffenden und Bandmitglieder durften sich am Ende des Abends über liebevoll gepackte Geschenktütchen freuen, die Bürgermeister Nils Drescher persönlich überreichte.
Karin Bury dankte der Gemeinde Plankstadt für den herzlichen Auftakt in die neue Ausstellungssaison 2026 und vergaß nicht zu erwähnen, dass die Veranstaltung nur als Teamleistung gelingen konnte. Ein weiteres Dankeschön richtete sie an das Backhaus Berzel aus Speyer. Geschäftsführer Patrick Blau hatte 70 frische Brezeln für die Vernissage gespendet.
Genau „Hinschauen“ lohnt sich noch bis zum 08. Juni 2026. Die Ausstellung ist während der regulären Dienstzeiten barrierefrei zugänglich.
Alle Daten im Überblick:
Veranstaltungsort: Rathaus Plankstadt, Schwetzinger Str. 28, 68723 Plankstadt
Ausstellungsdauer: 26. März 2026 bis 08. Juni 2026
Öffnungszeiten: Mo bis Fr 8 Uhr bis 12 Uhr, Do 13:30 Uhr bis 18 Uhr




